26. bis 29.9.2019 in Stralsund

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Alle Vorstellungen zusammen zum Sonderpreis. (Nur erhältlich an den Theaterkassen in Stralsund und Greifswald.)

  • Seestück (Film)

    Film von Volker Koepp

    26.09.2019 / 17:30 Uhr / Theater Stralsund (Großes Haus)

  • 67/871. Leningrader Blockade

    Teatr Pokoleniy, St. Petersburg

    27.9.2019 / 20.00 Uhr / Gustav-Adolf-Saal
    anschl. Empfang des Verlags THEATER DER ZEIT

  • König Ubu

    Teatras Lélé, Vilnius

    28.9.2019 / 16.00 Uhr / Gustav-Adolf-Saal

  • Einer von uns

    Spurensuche nach dem 22. Juli 2011
    Det Norske Teatret, Oslo/Schauspiel Hannover

    28.9.2019 / 19.30 Uhr / Alte Eisengießerei

    anschl. Empfang Theater Vorpommern

     

  • A BALTIC NIGHT

    mit RUBUNDI, Estland (Jazz/Blues/Folk-Rock) und Livemusik aus St. Petersburg, Russland, und Vilnius, Litauen chill’n’move mit DJ Bongo Karl aus Greifswald

    28.9.2019 / 22.30 Uhr / Alte Eisengießerei

  • The turn of the screw

    Oper von Benjamin Britten
    in engl. Sprache mit deutschen Übertiteln
    Opera na Zamku, Szczecin

    29.09.2019 / 18.00 Uhr / Theater Stralsund (Großes Haus)
    anschl. Empfang der Störtebeker Braumanufaktur / Theater Stralsund, Foyer 



Gefördert durch:

PRESSESTIMMEN

Gelungene Premiere: Biennale der Theater-Hanse in Stralsund

Frisch gebackene Waffeln mit Sahne vor Beginn eines Theaterabends? In Stralsund bekam am Sonnabend jeder diese Leckerei, der zurAufführung des Stücks „Einer von uns“ gekommen war. Vielleicht sollte damit heile Welt dargestellt werden, wie sie in Norwegen bis zum 22. Juli 2011 um 15.26 Uhr bestanden hatte.
Denn genau zu dieser Uhrzeit wurde sie jäh zerstört. Durch die perfide Tat von Anders Behring Breivik, der 77 Menschen ermordete – zuerst in Oslo und dann auf der Ferieninsel Utøya. „What is going wrong?“ Was läuft falsch? So steht es denn auch in roten Lettern über der Bühne, auf der die Konzeptkünstler Lars O. Ramberg und Ditteke Waidelich zusammen mit dem norwegischen Regisseur Erik Ulfsby versuchen, sich dieser Untat künstlerisch zu nähern. Breivik ist nicht dunkelhäutig, kein Flüchtling und auch kein Islamist. Er ist blond und blauäugig.
Das Stück wurde im Stralsunder StiC-er-Theater aufgeführt. Von Darstellerinnen und Darstellern des Norske Teatr Oslo und des Schauspiels Hannover. Anlass war die vom Theater Vorpommern erstmals durchgeführte Biennale der Theater-Hanse. Und man darf wohl jetzt schon sagen, dass dies eine der bemerkenswertesten Schauspiel-Aufführungen des Jahres in der Welterbestadt war. Wohl auch, weil das Stück auf gründlich recherchierten Fakten beruht.
Man ist berührt. Mit Dutzenden, zunächst sauber aufgestapelten, schweren Holzkisten, die mit Begriffen wie Protest, Rache, Wut oder Psycho versehen sind, versuchen die Akteure den bedrückenden Sommertag des Jahres 2011 wirkungsvoll in Szene zu setzen. Dabei werden die Stapel zunächst eingestürzt und einzelne Kisten immer wieder umgesetzt. Kraftvoll und lautstark. Auch werden die Namen der Toten auf Leinwänden eingeblendet. Überlebende kommen zu Wort. Und das Umfeld des Mörders wird analysiert. Zum Schluss sind die Zuschauer gefordert, die Kisten wieder aufzustapeln.Erst danach gibt es Applaus.
„Einer von uns“ war eine von fünf Inszenierungen in nur dreieinhalb Tagen, mit denen die Theater-Hanse amWochenende in Stralsund aufwartete. Tags zuvor gab es „67/871. Leningrader Blockade“. In diesem 105-Minuten-Stück versuchen das Teatr Pokoleniy aus St. Petersburg und das Berliner „Theater unterm Dach“ die Blockade der Stadt zwischen 1941 bis 1944 an Hand persönlicher Schicksale zu beleuchten. Die Opera na Zamku Szczecin führte „The Turn of the Screw“ („Die Drehung der Schraube“) von Benjamin Britten auf. Ein düsteres, selten gespieltes Werk, mit dem in Polen alle Preise abgeräumt wurden, wie der Intendant des Theaters Vorpommern, Dirk Löschner, berichtete. Mit dem Schauspiel „Prügel im Stall des Herrenhauses“ war das Teater Must Kast aus Tartu in Estland dabei. Und sein grandioses Puppenspiel „König Ubu“ steuerte das TeatrasLéle aus dem litauischen Vilnius bei.Die Biennale der Theater-Hanse soll es künftig alle zwei Jahre geben. 2021 mit noch mehr innovativen Inszenierungen und Ensembles aus dem gesamten Ostseeraum, blickt Harald Müller vom mitveranstaltenden Berliner Verlag „Theater der Zeit“ voraus. Reinhard Amler

Ostsee-Zeitung, 30.9.2019

Nach Premiere: Theater-Hanse soll wachsen

Intendant Dirk Löschner ist zufrieden mit der Premiere in Stralsund / Zweite Auflage soll mehr Programm bieten und noch internationaler werden

„Ich bin sehr glücklich über den Verlauf der ersten Biennale der Theater-Hanse“, sagte am Montag der Intendant des Theaters Vorpommern, Dirk Löschner. An nur dreieinhalb Tagen bot sein Haus am Wochenende bekanntlich fünf Inszenierungen. Nicht irgendwelche Stücke, sondern eigens von einer Expertenjury ausgewählte Programme von Theatern mehrerer Ostseeanrainer. „Innovativ sollten sie sein, mutig, nach vorn gerichtet, aber auch zugänglich und verbindend“, so Löschner. „Und ich denke, das waren sie auch“, fügt er hinzu. Riesigen Zuspruch vor ausverkauftem Haus fand zum Beispiel der Auftritt des Teatras Lélé aus Vilnius in Litauen, das mit seinen teils menschengroßen Puppen angereist war. Gezeigt wurde König Ubu, eine muppet-artige Performance, bei der auch der Humor nicht zu kurz kam. Einmalig war auch der Auftritt der Opera na Zamku aus Szczecin im allerdings nicht voll besetzten Großen Haus. Hier wurde die Benjamin- Britten-Oper „The Turn oft the screw“ („Das Drehen der Schraube“) gezeigt. Das Stück hatte das Ensemble extra für die Stralsunder Bühne wieder aufgenommen, weil es im heimischen Haus zwischenzeitlich vom Spielplan genommen worden war. Das Teatr Pokolensky aus St. Petersburg zeigte etwas, das in Deutschland (leider) selten geboten wird. Nämlich die Erinnerung an die Gräueltaten der Heeresgruppe Nord, die im zweiten Weltkrieg darauf abzielten, Millionen von Menschen durch die Blockade einer Stadt regelrecht auszuhungern. Das war ein ebenso beklemmendes wie aufrüttelndes Stück. Das Gleiche trifft auch auf „Einer von uns“ zu. In dieser Koproduktion von Det Norske Teatret Oslo und dem Schauspiel Hannover geht es um das Massaker in Norwegen 2011, bei dem 77 vor allem junge Menschen umgebracht wurden. Finanziert wurde die Theater- Hanse zu großen Teilen vom Land, erläutert der Intendant. 50 000 Euro kamen aus Schwerin. Ursprünglich sollte die Summe allerdings höher sein. Gefreut hat sich Löschner, das auch die Stadt voll mitgezogen hat. Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) hatte gleich den ersten Empfang im Anschluss an die Vorstellung „Prügel im Stall des Herrenhauses“ des Theaters Must Kast aus Tartu ausgerichtet. „Ohne die Stadt geht es natürlich nicht“, meint Löschner. Aber es geht auch nicht ohne viele fleißige Mitarbeiter und Helfer. Und die hatten auch so manche knifflige Aufgabe zu bewältigen. „Für die erste Vorstellung bedurfte es zweier Tonnen Torferde, die an und vor allem auch wieder abtransportiert werden musste“, erklärte Löschner. Und dann waren auch noch 400 Holzkisten für die Aufführung von „Einer von uns“, ins Sticer- Theater zu bringen. Sie kamen per Tieflader aus Hannover. Und der passte natürlich nicht durch die engen Straßen der Altstadt. Also musste umgeladen werden. Und 105 Übernachtungen für die Gäste waren auch vonnöten. Aber all das wurde aber mit Bravour gemeistert. Und deshalb freut sich Löschner schon auf 2021. Dann soll die zweite Auflage der Theater- Hanse stattfinden. „Mit einem deutlich größeren Programm“, wie der Vorsitzende des Vereins Theater- Hanse, Peter van Slooten verspricht. „Denn wir wollen für Stralsund noch mehr Internationalität schaffen“, betont er. „Das hat die Stadt einfach verdient.“ Reinhard Amler

Ostsee-Zeitung, 1. Oktober 2019