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The Rocky Horror Show

von Richard O'Brien

Termine

  • 26.12.2017 19:30 Uhr Großes Haus, Stralsund
  • Ausverkauft
  • 31.12.2017 15:00 Uhr Großes Haus, Greifswald Karten kaufen
  • 31.12.2017 19:30 Uhr Großes Haus, Greifswald Karten kaufen
  • 11.01.2018 19:30 Uhr Maritimhotel, Strandpromenade, Heringsdorf Karten kaufen
  • 13.01.2018 19:30 Uhr Großes Haus, Stralsund Karten kaufen
  • 14.01.2018 16:00 Uhr Großes Haus, Stralsund Karten kaufen
  • 25.02.2018 16:00 Uhr Großes Haus, Greifswald Karten kaufen
  • 03.03.2018 19:30 Uhr Großes Haus, Stralsund Karten kaufen
  • 17.03.2018 19:30 Uhr Großes Haus, Stralsund Karten kaufen
  • 08.04.2018 18:00 Uhr Großes Haus, Stralsund Karten kaufen
  • 27.04.2018 19:30 Uhr Großes Haus, Greifswald Karten kaufen
  • 10.05.2018 19:30 Uhr Großes Haus, Greifswald Karten kaufen
  • 13.05.2018 18:00 Uhr Großes Haus, Greifswald Karten kaufen

Eine stürmische Nacht im Nirgendwo: Das unschuldige und glücklich verliebte Paar Brad Majors und Janet Weiss klopft nach einer Reifenpanne an die Pforte eines abgelegenen Schlosses und erbittet Hilfe. Die Tür öffnet sich, und es beginnt für die beiden ein Trip in nie erahnte phantastische Sphären. Der diabolisch-exzentrische Wissenschaftler Dr. Frank’n’Furter vom Planeten Transsexual präsentiert an diesem Abend seinen schrägen Mitbewohnern seine größte und genialste Kreation: das muskelbepackte Retortenwesen Rocky, das er zu seinem puren Vergnügen erschaffen hat. Brad und Janet erleben eine Nacht, die sie nie vergessen werden …

Mit „The Time Warp“, „Sweet Transvestite“ und vielen anderen Hits schrieb die „Rocky Horror Show“ Musikgeschichte. Über 20 Millionen Menschen sind bis heute der Faszination dieses Musicals erlegen. Text und Musik stammen von dem Briten Richard O’Brien. Als Zeitvertreib erfand der arbeitslose Schauspieler Anfang der 1970er Jahre die Abenteuer des Pärchens Brad und Janet im Gruselschloss des Transvestiten Frank-NFurter.

O’Brien mixte sein bizarres Gothic-Märchen aus laszivem Sex, Wesen aus dem All und Filmklassikern wie „Frankenstein“, „Dracula“ und „King Kong“. Die „Rocky Horror Show“ wurde im Juni 1973 in London uraufgeführt.

1975 wurde die „Rocky Horror Show“ als „Rocky Horror Picture Show“ verfilmt und wird bis heute gefeiert.

 

 

Das Theater Vorpommern dankt dem Sponsor der Inszenierung:

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PRESSESTIMME

Kult-Grusical

The Rocky Horror Show

It's just a jump to the left

Wenn Richard O’Briens rockige Parodie auf das Gruselfilm-Genre auf dem Spielplan steht, resultieren daraus Sonderschichten für das Reinigungsteam des Theaters. So auch am Theater Vorpommern, dessen kurzweilige Inszenierung von Dirk Böhling nicht nur durch tolle Darsteller, sondern auch durch die Interaktionen mit dem Publikum getragen wird.

Sobald sich Riff Raff und Magenta in Richtung ihres Heimatplaneten zurückbeamen, beginnt die Zerstörung. In Jakob Knapps zweigeschossigem, funktionalen Bühnenbild knicken Streben nach innen, die rückwärtigen Vorhänge werden nach oben gezogen und die herabhängenden, bunten Lichtschläuche verheddern sich. Ins durch Nebel verräucherte Chaos krabbeln auf allen Vieren Brad und Janet auf die Bühne. Verstört wirkend singen sie "Super Heroes" – den Song, mit dem sich üblicherweise die beiden heimkehrenden Aliens verabschieden. Nach dem letzten Ton schauen sich die Verlobten an, halten kurz inne und verlassen getrennt voneinander die Bühne. Ihre Beziehung existiert nicht mehr.

Mit diesem unerwartetem Schluss gibt Regisseur Dirk Böhling dem Kultmusical, das bis dahin auch am Theater Vorpommern eine überdrehte, interaktive Party zwischen Publikum und Protagonisten ist, ein überraschend bitteres Ende. Ein gelungenes Ausrufezeichen, das die routiniert-launige und zuweilen recht deftige Inszenierung krönt. Auch mit den tradierten Personencharakterisierungen bedient Böhling die Zuschauer-Erwartungen, sodass diese fetzige, humorvoll-gruselig umgesetzte "Rocky Horror Show" prächtig unterhält und einfach nur Spaß macht.

Optisch punktet die Aufführung ohnehin, denn Kostümbildner Stephan Stanisic hat mit sexy Schnitten, viel Pailletten und überraschenden Accessoires bizarr-raffinierte Kreationen geschaffen, die gemeinsam mit den oft grell-bunten, opulenten Haartrachten und einem freakigen Make-up die Welt der Aliens lebendig werden lässt. Selbst die Mitglieder der in der oberen Bühnenetage positionierten, heftig losrockenden Band unter Leitung von Sebastian Undisz sind "monstermäßig" ausstaffiert.

Mit vollem, rockigen Bariton, ganz viel laszivem Charme und einer ungeheuren Bühnenpräsenz gibt Manfred Ohnoutka den Frank N. Further als abgetakelte Transe, die bis zum Schluss glaubt, aller Fäden in der Hand zu halten. Unglaublich, wie selbstverständlich und lasziv er auf den recht hohen High Heels über die Bühne schwebt und sich in der Floorshow als Glamour-Diva inszeniert. Beim anschließenden "I'm Going Home" nimmt sich Ohnoutka dann völlig zurück und berührt das Publikum, indem er Perücke und Makeup entfernt und sich mit kleinen Gesten und einer leicht zuckenden Lippe auf sein vorbestimmtes Ende vorbereitet. Eine bravouröse Leistung.

Doch auch die restlichen Darsteller – mit einer Ausnahme allesamt Mitglieder des hauseigenen Schauspiel-Ensembles – sind auf den Punkt besetzt. So hält sich Ronny Winter als stocksteifer Erzähler wacker gegen die "Langweilig!"-Zwischenrufe aus dem Publikum und erscheint wie von Geisterhand immer im genau richtigen Moment an den unterschiedlichsten Orten auf der Bühne und im Zuschauerraum. Bieder und zunächst völlig verklemmt sind auch Sarah Bonitz und Tobias Bode, deren Janet und Brad jedoch zunehmend Gefallen am lockeren Treiben der Alien-Gesellschaft finden. Ihre Stimmen harmonieren hervorragend im Duett "There's A Light", können aber auch in den Soli überzeugen.

Mit tadellosen Gesang überrascht auch Stefan Hufschmidt, der als tätowierter und gepiercter Rocker Eddie auf seinem Motorrad auf die Bühne braust und mit satter Rock-Röhre "Hot Patootie – Bless My Soul" herauspowert. Marvin Rehbock gibt einen tumben, muskelbepackten Rocky, Anne Greis eine quietschige Columbia und Markus Voigt einen Dr. Scott mit bewusst sehr deutsch klingendem englischen Akzent.

Alexander Frank Zieglarski und Isabella Rapp begeistern als zwielichtig-linkisches Geschwisterpaar Riff Raff und Magenta, das auch im Gesang keine Wünsche offenlässt. Beide agieren mit bedrohlich wirkender Mimik und Gestik und sprechen mit lasziv-rauen Stimmen. Von der gastverpflichteten Musicaldarstellerin Isabella Rapp stammen auch die quirligen Choreografien, die von den Solisten und der Komparserie schwungvoll ausgeführt werden.

Auch wenn "The Rocky Horror Show" bald 45 Jahre auf dem Buckel hat – den Titel als DAS Kultmusical schlechthin macht ihr so schnell keiner streitig. Die durch und durch großartige Umsetzung am Theater Vorpommern zeigt das auf eindrucksvolle Weise.

Kai Wulfes, musicalzentrale.de

Schillernd-schräger Horror

Sonnabend feierte das von Dirk Böhling inszenierte Kult-Musical „The Rocky Horror Show“ Premiere in Greifswald.

Greifswald. Es ist schrill, bizarr und mit seiner Mischung aus laszivem Sec, Science-Fiction und Horror auch wunderbar trashig: Am Sonnabend hatte das Kult-Musical „The Rocky Horror Show“ am Theater Vorpommern Premiere. Gastregisseur Dirk Böhling, der das Musical als schräg-buntes energetisches Spektakel inszenierte, feierte damit zugleich sein 20-jähriges Regiejubiläum.

Es war ein Abend, der einfach Spaß machte: Reiskörner, die durch die Luft flogen, Besucher, die mit Wasserpistolen Regen simulierten, Klopapier warfen und das Geschehen auf der Bühne kommentierten – eingefleischte Fans wissen wann, für alle anderen gab es einen Beutel mit Requisiten und Anleitung.

Genau davon lebt das Kult-Musical, das der arbeitslose Schauspieler Richard O´Brien Anfang der 1970er Jahre als Zeitvertreib und Hommage an den Horror-Film der 1950er und 60er Jahre schrieb – inspiriert war es von Hollywood-B-Movies, Science-Fiction-Filmen und -Comics und geprägt vom Rock´n´Roll.

Denn der Stoff ist nicht neu und wurde bereits vielerorts auf die Bühne gebracht – auch für Böhling ist es bereits die dritte Inszenierung von „The Rocky Horror Show“. Fast mutet das Musical an, wie das sprichwörtliche „kleine Schwarze“ – es passt immer und scheint Ohrwürmern wie „The Time Warp“, „Sweet Transvestite“ und vielen anderen Hits ein Garant für Erfolg. Das dem nicht immer so ist, zeigte die deutsche Uraufführung 1980 in Essen.

Umso schöner, wenn es, wie am Theater Vorpommern, gelingt, die Erwartungen nicht nur zu erfüllen, sondern noch zu übertreffen. Böhling und dem Schauspielensemble ist es gelungen, die unglaubliche Energie der wunderbar-schrulligen Charaktere auf das Publikum zu übertragen und das Musical als gigantische Party auf der Bühne zu zelebrieren.

Inhaltlich geht es um Folgendes: In einer stürmischen Nacht sucht das verliebte Paar Brad (Tobias Bode) und Janet (Sarah Bonitz) nach einer Reifenpanne Hilfe in einem abgelegenen Schloss. Dort treffen sie auf den diabolisch-exzentrischen Wissenschaftler Dr. Frank N. Furter (Manfred Ohnoutka) vom Planeten Transsexual, der an diesem Abend seinen schrägen Mitbewohnern seine genialste Kreation präsentiert: das muskelbepackte Retortenwesen Rocky, das er zu seinem puren (sexuellen) Vergnügen erschaffen hat. Für Brad und Janet beginnt eine Nacht, die sie nie vergessen werden. Das Paar wird zum Repräsentant alter, konservativer Werte, das von der anarchischen Gegenwelt einer Subkultur aufgesogen wird und sich dadurch für immer verändert.

Die Inszenierung besticht zum einen durch den durchgängigen Humor. Witzige kleine Finesse: Böhling setzte Intendant Dirk Löschner in Greifswald als Erzähler ein. Selten dürfte der Intendant in seinem Hause derart oft als „Langweiler“ betitelt worden sein. Auch die Schauspieler verleihen den schrullig-exzentrischen Figuren die nötige Strahlkraft, allen voran Manfred Ohnoutka, der nicht nur tapfer zwei Stunden in Strapsen und Stöckelschuhen über die Bühne wackelt, sondern die Rolle der Dr. Frank N. Furter zu seiner eigenen macht und einen emotionalen Höhepunkt mit dem Titel „I´m Going Home“ setzt.

Auch an Effekten bietet das Musical einiges auf – von Nebelschwaden über fluoreszierende Wandfarbe, Filmprojektionen bis hin zu aufwändiger Licht- und Bühnentechnik. Mit viel Liebe zum Detail hat Stephan Stanisic eine glamourös-gruselige Kostümschlacht initiiert.

Und wie sagt es Macher Richard O´Brien selbst: „Ein wenig Horror, ein wenig Sex, ein wenig Aufregung… Keine Botschaft, reine Unterhaltung.“ Und das garantiert mit hohem Spaßfaktor.

Stefan Büssing, Ostsee-Zeitung