Preview: Dantons Tod

von Annett Kruschke nach Georg Büchner

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Eine der wirkmächtigsten literarischen Auseinandersetzungen mit der Französischen Revolution schrieb ein 22-jähriger Student der Philosophie und Medizin in Gießen innerhalb von 5 Wochen. Als Georg Büchner Anfang des Jahres 1835 sein Drama verfasste, brauchte er Geld für seine Flucht aus Hessen – zu heikel schien ihm nach Veröffentlichung des „Hessischen Landboten“, nach Durchsuchung seines Zimmers und nach seinem Verhör der Aufenthalt im verhassten Fürstentum. Dantons Tod ist ein Drama über die Französische Revolution in den Zeiten ihrer größten Schreckensherrschaft. Robespierre und Danton kämpfen um die Deutungshoheit darüber, was die Revolution zu leisten, wem sie zu dienen habe, was sie erreichen soll. Robespierre setzt sich durch – Danton nimmt mit Gleichmut sein Todesurteil hin – er wehrt sich nicht, flieht nicht, weil er nicht mehr will – er hat die Revolution und das Leben selber satt. Die Revolution hat ihre Ideale verraten, hat sich in puren Terror verwandelt. Der Einzelne kann dem Chaos der revolutionären Entwicklung nichts entgegensetzen – Büchner spricht vom Fatalismus der Geschichte. Annett Kruschke hat das vielstimmige Drama in einen Monolog verwandelt, der den Hauptfiguren in ihren eminenten Widersprüchen und Selbstzweifeln ebenso nachspürt, wie er den Furor der Sprache Büchners in unerwarteter Kraft auf die Bühne trägt: „Die Sündflut der Revolution mag unsere Leichen absetzen, wo sie will; mit unseren fossilen Knochen wird man noch immer allen Königen die Schädel einschlagen können.“